• Malgorzata Fabricius

Verlust

Aktualisiert: Aug 22


Jeder Verlust wirft einen Schatten auf unser Leben. Wenn wir etwas verlieren – eine Person, Arbeit oder Beziehung – entsteht eine Leere. Es kann sein, dass du tief erschüttert bist. Oder du fühlst dich dem Schicksal ausgeliefert. Du bist traurig, wütend, verzweifelt, oder hast ein schlechtes Gewissen. Vielleicht bist du auch erleichtert, weil du selbst nicht den Mut hattest dich von jemandem oder etwas zu trennen, und du bist jetzt froh, dass das Leben für dich entschieden hast.


Jeder Verlust ist ein sehr individueller Prozess. Jeder von uns erlebt ihn unterschiedlich intensiv. Das wichtigste dabei ist, dem Ganzen Raum und Zeit zu geben und sich nicht zu widersetzen.


Als mein Sohn gestorben ist, habe ich zuerst eine enorme Leere und gleichzeitig Stille gespürt. Noch nie in meinem Leben habe ich mich so inkomplett gefühlt. Ein Teil von mir ist mit ihm gestorben. Dieses Gefühl war in jeder Zelle meines Körpers zu spüren. Das war etwas, was ich in diesem Ausmaß vorher noch nie kennengelernt hatte. Der Zustand war sehr schmerzhaft, schaffte aber auch enorm viel Raum für andere Emotionen – Trauer, Wut, Verzweiflung und auch Akzeptanz. Gleichzeitig verlangsamte sich alles andere, was in diesem Moment unwichtig war. Der physische Körper war wie gelähmt, und das war gut so. Ich habe mich damals einfach ergeben. Jedes Gefühl oder jede Emotion wurde von mir durchlebt und der Schmerz umarmt. Das war mein Weg eine neue Ordnung im Leben zu schaffen.


Jeder Verlust ist wie ein kleiner Tod. Du kannst alles Mögliche verlieren: einen Menschen, den du geliebt hast, Geld, Arbeit, Partnerschaft oder Gesundheit. Der gemeinsame Nenner aber ist stets: Die alte vertraute Ordnung, dein Nest und dein Gefühl von Sicherheit sind weg. Und: je wichtiger die Situation, die Sache oder der Mensch für dich war, desto schmerzhafter ist der Verlust.


Eins ist sicher: Du bist in dieser Zeit mit allem konfrontiert, was für dich unbequem ist und mit allem, was dir Schmerzen bereitet. Gib dir Raum und lass dir Zeit. Wenn das Alte geht, kannst du dich neu definieren und positionieren. Das ist ein wichtiger Punkt, denn sobald du dich auf das Neue eingelassen hast, lässt dein Schmerz nach. Warum? Weil dein Focus jetzt woanders ist und du aufhörst das zu suchen, was du verloren hast.


Alle Versuche dem Ganzem aus dem Weg zu gehen, sich abzulenken, wird dir nur für eine Weile eine „provisorische“ Ruhe verschaffen. Beim nächsten Konflikt oder der nächsten Krise kommen die gestauten Emotionen hoch oder somatisieren in Form einer Krankheit.


Heilung kann nur passieren, wenn du aktiv dein „altes Ich“ verabschiedest. Wenn du dir erlaubst, jeden Schmerz zu fühlen, wenn du jede Emotion unter die Lupe nimmst. Du akzeptierst, dass es vorbei ist. Halte an nichts fest, was dich einschränkt. Nutze die Zeit und lerne deine Gefühle, Emotionen, Bedürfnisse besser kennen. Erlaube dir schwach zu sein und gibt dir Zeit, so viel du brauchst. Und weine, wenn es dir danach ist, unterdrücke nichts. Treffe Menschen, die empathisch und mitfühlend sind. Sorge für dich, so gut du kannst. Und wenn du Hilfe brauchst, zögere nicht danach zu fragen.






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